Rezeptsammlung Grundlagen - Rezept-Nr. 1145

Vorheriges Rezept (1144) Zurück zum Inhaltsverzeichnis Nächstes Rezept (1146)

Tapas, Eine Kurzgeschichte

( 4 Portionen )

Kategorien

Zutaten

    TAPAS

   NACH EINEM TEXT VON
    Claus Schweitzer Meyers
    -- Modeblatt 33/98 Erfasst
    -- von Rene Gagnaux
 

Zubereitung

Zur Tapas-Kultur in Spanien gehört in erster Linie die Bereitschaft, sich an eine Theke zu lehnen und bei einem kleinen Imbiss und einem Glas Sherry die Zeit aus dem Auge zu verlieren. Tapas haben in Spanien ihren festen Platz im täglichen Speiseplan, der von den Spaniern sehr ernst genommen wird. Die kleinen Gerichte, von denen es Hunderte gibt, sind Ausdruck eines Lebensstils, der Geselligkeit und Abwechslung liebt. Tapeo - Tapas essen gehen - ist ein alltägliches Ritual, dem die Zeit vor Mittag- und Abendessen gehört. Da man - insbesondere in den Sommermonaten - sehr spät zu essen pflegt, bleiben Stunden fürs tapeo. Zu Beginn der Mittagspause oder gleich nach Feierabend bildet es den zwanglosen Rahmen, sich zu treffen, sich zu unterhalten, etwas zu trinken und nach Lust und Laune verschiedene Kleinigkeiten zu probieren. Ob es sich nun dabei nur um ein paar Oliven oder um aufwendige Minigerichte handelt, Essen ist nur ein Aspekt dieser lebensfrohen Sitte. Manche Tapas-Bars sind berühmt für ihre umfangreiche Auswahl, andere stützen ihre Anziehungskraft auf nur eine einzige Spezialität wie zum Beispiel champinones a la pluncha, auf der Eisenplatte gebratene Champignons, oder pinchos morunos, Spiesschen mit mariniertem und gegrilltem Fleisch. Nun hat Spanien mehr als ein gutes Dutzend regionaler Küchen mit starker, eigenständiger Prägung zu bieten, die ausnahmslos von der Verfügbarkeit der frischen Produkte bestimmt wird. Im Nordwesten Spaniens, in Galicien, wo die Wiesen grün sind, gibt es köstliche Kalbfleischgerichte, die im Süden, in Andalusien, so gut wie unbekannt sind. In Asturien, wo das Klima Weinbau nicht zulässt, wird sidru, Apfelwein, produziert. Asturien ist auch für die fabada, die rustikale Bohnensuppe, und den Blauschimmelkäse queso cabrules berühmt. Das Baskenland gilt als gastronomische Hochburg Spaniens. Fischsuppen sowie changurro, gerillte Krebse, und anguilas a la bilbaina, Babyaale in Knoblauchöl, prägen die Fischküche des Nordens. Im Süden, vor allem in Andalusien, sind es Gambas, Kaisergranat und chanquetes, die kleinen fritierten Fische, die in Sevilla besser sind als irgendwo anders in Spanien. Die Generalprobe für den kulinarischen Verlauf des Tages beginnt gegen 13 Uhr. Die ersten Tapas mit einem Fino, einem trockenen und leichten Sherry, gehen über die Theke und werden mit kleinen Gabeln oder Zahnstochern zu dem Fino verspeist. Dies findet meistens in der Tapas-Bar an der Ecke statt, die durchaus auch einen kleinen Restaurantteil haben kann. Diese Mittagstapas sind ein erster Vorgeschmack auf das zwischen 13.30 und 15 Uhr servierte Mittagsmenü, la comida, das in der Regel aus drei Gängen - Vorspeise, Hauptgang und Dessert - besteht. Die am späten Nachmittag zwischen 17 und 18.30 Uhr plazierte merienda, eine Art Kaffeepause mit Gebäck oder Brötchen, gerät in letzter Zeit etwas in Vergessenheit. Wen wundert das, denn bereits zwischen 20 und 21 Uhr hat man sich mit Freunden verabredet, um der vormittäglichen Tapas-Probe einen frühabendlichen Tapas-Reigen folgen zu lassen, der meistens in einem tapeo, einem Tapas-Umzug von Bar zu Bar, endet und möglicherweise dazu führt, auf das später avisierte Abendessen, la cena, das normalerweise um 22 Uhr folgen würde, völlig zu verzichten. Für diesen Fall wird man dann jedoch nicht nur Tapas bestellen, sondern raciones, das sind grössere Portionen von denselben Tapas, die üblicherweise als Appetitanreger und als Vorwand, um einige Finos zu trinken, zu verstehen sind. Das muss jedoch nicht hinderlich sein für den Fall, dass man zu später Stunde noch in eine Bodega einkehrt, um dann dort doch noch gegen Mitternacht ein spätes Nachtmahl zu geniessen. In Spanien scheint es niemand besonders eilig zu haben, nach Hause zu kommen. Dennoch sind am Morgen alle wieder in der Bar an der Ecke zum ersten Kaffee, und nicht selten ist der tapeo des Vorabends Gesprächsstoff mit dem Nachbarn. Übrigens: Das wichtigste Indiz für eine gute Tapas-Bar in Spanien ist, wenn zur Mittagszeit ein Lieferwagen nach dem anderen vor der Bar parkt und Fahrer sowie Beifahrer im Lokal verschwinden.
 
Stichworte: Spanien, Aufbau, Tapas
:Stichworte : Grundlagen, Informationen

Vorheriges Rezept (1144) Zurück zum Inhaltsverzeichnis Nächstes Rezept (1146)