Rezeptsammlung Grundlagen - Rezept-Nr. 749

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Martini - Eine Kleine Geschichte

( 4 Portionen )

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Zutaten

1   Geschichte über
    -- Martini-Cocktails
 

Zubereitung

MMMMM--------------------------------QUELLE--------------------------
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-Tageszeitung erfasst v.
- Renate Schnapka am 28.03.98
 
Manche Dinge kommen immer wieder gut. Der Martini Cocktail ist so ein Fall: Ein mindestens hundert Jahre alter Klassiker, der seit neuestem als Kultgetränk gehandelt wird. Nach Mineralwasser - und Eisteewelle hat man den Drink der fünfziger Jahre wiederentdeckt. Martini-Bars gelten als Hot Spots. Das Szenevolk swingt in den mit Plüsch und Samt ausstaffierten Lokalen, den martini in der einen, die Havanna in der anderen Hand. Im Martini Club in Atlanta gehen jeden Abend 1000 Cocktails über den Tresen, 54 stehen zur Auswahl. Die New Yorker feiern das Comeback im Rainbow Room. In San Francisco mixen die Barkeeper von The Red Room jeden Spezialwunsch. Die Dry Martini Bar in Barcelona schmückt seit kurzem Martini-Kunst. In London bietet Le Bar stolze 34 Martini Cocktails, darunter den Cactus martini mit Tequilla, Limonenscheibe und Salzrand. Hierzulande erobert der König der Cocktails mit Dutzenden von Varianten die Getränkekarten. Für die hamburger stehen in der Manhattan Bar 24 verschiedene Martini Cocktails zur Auswahl. Nicht alle stimmen in die Jubelrufe um das Comback ein. Vom Martini könne dabei kaum die Rede sein, kritisieren viele Barprofis, weil er heute fast nur noch als trockener Gin mit einem Hauch Vermouth daherkommt. Dass das einmal anders war, beweisen die Geschichten über die zahlreichen Erfinder des Martinis. In einschlägigen Büchern wird der Shortdrink einem gewissen Professot Jerry Thomas zugeschrieben. Dieser mixte ihn erstmals um 1860 in San Francisco einem Fremden, der um eine Stärkung für seine Weiterreise gebeten hatte. Die Zutaten: Gin und Vermouth im Mischverhältnis 4:1, zwei Spritzer Maraschino-Likör, drei Tropfen Oranenbitter und eine Zitronenscheibe. Anschliessend beschloss der Barmann, seiner Kreation einen Namen zu geben. Da er zwar das Ziel seines Gastes, nicht aber dessen Namen kannte, taufte er das Geträk Martinez nach einem kleinen Art etwa 60km von San Francisco entfernt. Anistatia Miller und Jared Brown, Autoren des neuen Martini-Buches Gemixt, nicht gerührt lösen das Erfinder-Problem diplomatisch mit einer nach Jahren geordneten Top-Ten-Liste. An erster Stelle rangiert J:p:A. Martini, der den Cocktail angeblich 1763 in Paris erfunden haben soll. Die meisten Barkeeper tippen auf die Nummer acht, einen Mexikaner namens Martinez, der im New Yorker Waldorf-Astoria Hotel den legendären Drink kreiert haben soll. Doch wie ist er beschaffen, der perfekte Martini? So einfach seine Zutaten auch sein mögen - an der Qualität eines Martinis lässt sich das Können eines Barkeepers messen. Seit seiner Entstehung hat sich das Mischverhältnis radikal verändert. Trank man ihn Anfang des Jahrhunderts noch mit Gin und Vermouth zu gleichen Teilen, wurde daraus in den zwanziger Jahren das Verhältnis 2:1. Während des Zwieten Weltkrieges verlangte man nach der 4:1 Mischung, ihr folgte in den fünfziger Jahren 8:1. Dass der Shortdrink immer trockener wurde, lag an der immer besseren Qualität des Gins. Kenner bestellen heute den MONTGOMERY, eine knochentrockene 15:1 Mischung, die Ernest Hemingwy in seinem Roman Über den Fluss und in die Wälder erfand. Er nannte ihn nach dem britischen Oberbefehlshaber Bernhard Law Montgomery, der den deutschen Generalfeldmarschall Rommel und dessen Truppe in Nordafrika nur dann angreifen wollte, wenn seine Streitkräfte dem Feind im Verhältnis 15:1 überlegen waren. Für Charles Schumann ist das zu viel - im Münchner Schumann's wird 8:1 gemixt. Wenn der Gast ihn noch trockener möchte, soll er gleich einen Dry Gin und nicht einen Dry Martini trinken, findet der Barchef. Auch die Diskussion, ob die Olive mit oder ohne Stein serviert, oder gar mit paprika gefüllt werden soll, hält er für unnötig: Mit Stein, ganz klar. Und das die Olive nicht gefüllt sein darf, darüber brauchenwir gar nicht weiter zu reden. Jürgen Prill wirbt gern mit dem Slogan, dass es in der hamburger Manhattan Bar den Trockensten der Stat gäbe: Beim Atomizer Martini werden Gin und Eis erst im Cocktailglas mit einem Vermouth-Zerstäuber besprüht. Den perfekten Martini hat der Barchef zumindest auf der Karte
- sein sogenannter Perfect Martini besteht aus Gin, Martini & Rossi Extra Dry, martini Ros und einer Zitronenschale. Ein Irrtum, dem übrigens fast alle Anfänger aufsitzen, ist der Glaube, der Cocktail werde mit dem gleichnamigen Vermouth gemixt. Kann, muss aber nicht. Dass dieser genauso heisst, ist purer Zufall. Meist wird der französische Noilly Prat gewählt, dazu Tanqueray Gin: Den mögen die harten Martini-Trinker, weil der am trockensten und mit 47% am hochprozentigsten ist, sagt Uwe Christiansen, Besitzer von Christiansen's Fine Cocktails und Drinks in Hamburg. Helge Fechner, Betreiber des Museumscafs im Haus der Geschichte in Bonn, schwört dagegen auf Bombay Sapphire (Gin), der heute noch unverändert nach einer Rezeptur von 1761 hergestellt wird: Da stecken über zehn Kräuter und Früchte drin, die dem Gin eine einmalige Note geben. Bei der Art der Zubereitung gibt es vermutlich fast so viele Möglichkeiten wie Martinis. Die wichtigste Regel lautet gerührt, nich geschüttelt, denn letzteres verwässert den klaren Drink - und schmeckt allenfalls James Bond.
 
Stichworte: Aufbau, Alkohol, Cocktail
:Stichworte : Grundlagen, Informationen

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