Rezeptsammlung Kaese - Rezept-Nr. 4

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Äjjerkäs (Eierkäse aus dem Siegerland)

( 1 Eierkäse )

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Zutaten


   ÄJJERKÄS (EIERKÄSE AUS DE
10   Eier
1 Ltr. Milch
    Salz
    Zucker
    Zimt
300 ml  Saure Sahne
 

Zubereitung

Eier und Milch gut miteinander verrühren. Etwas Salz und Zucker hinzufügen. Nach Möglichkeit in einen Steinguttopf geben und in einem Wasserbad so lange kochen lassen, bis das Eier-Milch-Gemisch gerinnt und fest wird.
 
Die Milchmasse in ein Sieb geben und abtropfen lassen. Im Siegerland wird dazu eigens eine gugelhupfartige, durchlöcherte Steingutform verwendet. Das Abtropfen kann durchaus eine Stunde und länger dauern.
 
Den so gewonnenen Eierkäse umstülpen und erkalten lassen.
 
Aus der sauren Sahne, Zucker und Zimt wird eine schaumige Sauce gerührt und über den Eierkäse gegeben.
 
Der Eierkäse wird in dicke Scheiben geschnitten und auf Brot gegessen. Oft verzichtet man auch auf die Sauce und bestreut die Scheiben einfach mit Zucker und Zimt.
 
Herbert Schmitt: Auch im Siegerland war eines der Hauptnahrungsmittel das Brot. Allerdings ohne wat droff mochte auch der Genügsamste seine Dong nicht essen. Goore Bodder, Grutt oder Grittche, ein Mus aus Pflaumen, Äpfeln oder Birnen waren ebenso beliebt wie Rübenkraut oder ein Gelee aus Beerenfrüchten. Käs wurde in der einfachsten Form aus dicker Milch gewonnen, die man erwärmte, die Molke abgoß und den so entstandenen Quark mit Zwiebeln, Salz oder Kümmel anmachte. Mitunter wurde Kochkäse hergestellt, indem man einen Handkäs in Stücke schnitt und in Milch kochte.
 
Eine besondere Spezialität war der Äjjerkäs (Eierkäse), keinesfalls ein monströses Produkt genmanipulierter Hühner oder Kühe, sondern ein Gemisch aus Milch, Eiern und Zucker, daß im Wasserbad gekocht wurde.
 
Manch einer wird sich gefragt haben, warum hier nie ein Salatgericht auftauchte. Die Frage ist schnell und einleuchtend geklärt: Salat wurde im alten Siegerland nie roh gegessen. Als sich diese Mode zwischen den beiden Weltkriegen durchzusetzen begann, wurde sie von vielen Alteingesessenen als sehr revolutionär empfunden und abgelehnt. (T. Irle)
 
Auch Siebels Moll war mit dieser Rohkost noch nicht vertraut. Als er eines Morgens bei Schneiders Kaspar den Garten kultiviert hatte, erschien die Hausfrau gegen Mittag mit einem großen Tablett voll herzhafter Gaumenfreuden. Moll putzte auch Fleischsuppe, Rinderbraten und Kartoffeln locker weg, ließ aber die Schüssel mit Kopfsalat stehen. Als Kaspars Frau enttäuscht wissen wollte, wieso er das verschmähte, antwortete der Moll: Mir woarn jao alt aarich aarm drheim, awer det Gemees hätt oos Mamme emmer noch gekocht, dat ha mir noch neet roh ze fräße bruche! (T. Irle)
 
Einige Donge bet Äjjerkäs hätte der Moll sicher noch geschafft. Dem Mann kann geholfen werden, siehe Rezept!
:Erfasser : TAMKAT
:Datum : 19.10.2004

Quelle

Riewekooche onn Schmatz-
bäckel, Vom Essen und
Trinken im Siegerland
Trutzhard Irle
ISBN 3-88265-097-4
Gepostet: Herbert Schmitt
28.02.1995

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