Rezeptsammlung Exotisch - Rezept-Nr. 323

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Duft von 1. August in der Luft (1)

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Zutaten

    Weggen

   REF ST. GALLER TAGBLATT 3
    -- Erfasst von Rene Gagnaux
 

Zubereitung

Originaltext:
 
Nationalsymbol aus dem Backofen: Jeder 1. August ist anders. Aber alle sind goldgelb: Seit 1959 gehören die Zopf-Weggen mit den Schweizer Fähnchen zum Nationalfeiertag wie die Nationalhymne und die bunten Lampions.
 
Die Bezeichnung 1.-August-Weggen besteht schon lange. Das Gebäck ging aus den so genannten Schweizerwoche-Weggen hervor. 'Während der Schweizerwoche, die alljährlich durchgeführt wurde und im Gefolge der Krise der Zwanziger- und Dreissigerjahre für Schweizer Produkte bestimmt war, wurde auch lokal und regional für gutes Brot aus dem Bäckerladen geworben', weiss Markus Tscherrig vom Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verband SBKV in Bern. Für Kurt Bürgin von der gleichnamigen Bäckerei-Konditorei in Kreuzlingen war der Weggen immer ein Verkaufshit. Seine Herstellung sei eine schöne Arbeit, die ihm und seinen zwanzig Angestellten den Plausch mache. 'Als am 1. August die Bäckerei noch offen war, herrschte immer eine besondere Stimmung. Die ist nun verloren gegangen. Heute produzieren und verkaufen wir ja alles mindestens einen Tag früher', sagt Bürgin.
 
Klare Vorgaben
 
Die Vorgaben bei der Lancierung des August-Weggens waren vor 42 Jahren ziemlich genau: 'Beim 1.-August-Weggen handelt es sich um ein Qualitätsgebäck, hergestellt mit reiner Butter. Jeder Weggen sollte mit zwei Schweizer Fähnchen geschmückt werden. Ein Fähnchen ist zu wenig auffallend, weil die kleinste Grösse des 1.-August-Weggens in der Preislage eines Frankens liegt. Jedem Bäckermeister ist es freigestellt, auch grössere Weggen zu backen, die zu entsprechenden Preisen zu verkaufen sind. Von grösster Bedeutung für das Gelingen der Aktion ist die Werbung und die Aufklärung der Bäckersfrauen, des Bäckermeisters und des Verkaufspersonals. Es genügt nicht, am Morgen des Nationalfeiertages den Weggen in das Schaufenster zu stellen. Die Kundschaft muss auf die Aktion vorbereitet werden. Unsere Mitglieder ersehen aus dem Rezept, dass es sich beim
 
1. -August-Weggen, im Gegensatz zum Schweizerwoche-Weggen, nicht um ein süsses, sondern um ein Gebäck aus Zopfteig handelt. Der besondere Weggen eignet sich deshalb ausgezeichnet als Gebäck zum Cafe complet (Abendessen am 1. August) zum Mitnehmen für das Picknick, als Zwischenverpflegung, zum Kaffee oder Tee oder sonstigen Getränken nach der 1.-August-Feier usw. Geschäftsleitung und Zentralkomitee rechnen damit, dass dem 1.-August-Weggen ein ebenso grosser Erfolg beschieden sei wie dem Schweizerwoche-Weggen und dem Königskuchen', schrieb Zentralsekretär Bruno Heilinger im Juli 1959 in der 'Bäcker-Konditor-Zeitung'.
 
Brotkonsum rückläufig
 
Inzwischen ist viel geschehen, die Weggen werden immer noch gerne gegessen. Die einen mögen die weichen Brötchen zum Frühstück, andere lieben sie zwischendurch, und einige geniessen sie als Sandwichs. 1959 gab es in der Schweiz 7600 Bäckereien. Heute sind es noch 3300. 'In den helvetischen Bäckereien und Konditoreien sind rund 30 000 Personen beschäftigt. Davon sind über die Hälfte Frauen (im Verkauf sind fast nur Frauen). 2500 Arbeitgeber mit 3400 Verkaufsstellen sind Mitglied des 1885 gegründeten Schweizerischen Bäcker-Konditorenmeister-Verbandes SBKV', führt Markus Tscherrig aus. Auch der Brotkonsum hat abgenommen. Wurden 1950 noch rund 60 kg Brot pro Kopf in der Schweiz verzehrt, so stagniert der Konsum seit gut zehn Jahren auf rund 52 Kilogramm. 'Für uns ist der Weggen ein sehr guter Einzelartikel. Das aus einer Art Zopfteig hergestellte Produkt verlangt aber auch viel Arbeit', bestätigt Fritz Strassmann, Präsident des Ostschweizer Bäcker-Konditorenmeister-Verbandes (OBKV). Christian Nafzger, bis im vergangenen April Präsident des Thurgauischen Bäckermeister-Verbandes, backt die Spezialweggen zum Nationalfeiertag meistens in einem Pizzaofen vor seinem Laden in Wängi. Die besondere Aktion ist ein aufwendiger Einsatz, den die Kundinnen und Kunden sehr zu schätzen wissen, wie Nafzger nicht ohne Stolz sagt.
 
Produkt für einen Tag
 
'Es ist obligatorisch, dass man Frischbutter und -vollmilch für das Buttergebäck verwendet', sagt der Bäcker-Patissier Heinz Wahrenberger in seiner Berlinger Backstube mit Blick auf den See. Auch das Weissmehl stammt aus Ostschweizer Mühlen. Sind die Nationaltags-Weggen ähnlich herzustellen wie ein Zopf? 'Nein, das Zopfrezept ist anders.' Von Hand werden alle Zutaten abgewogen. 'Die Anzahl Weggen, die ich jedes Jahr produziere, ist eine reine Gefühlssache. Ich habe dafür keine Statistik', sagt Wahrenberger. Die genaü Menge zu bestimmen ist nicht einfach. Denn was zu viel produziert wurde, kann am nächsten Tag nicht mehr verkauft werden. Die Papierfähnchen, die zum Schluss auf die Weggen gesteckt werden, können die Bäckereien beim Verband beziehen. Als er einmal zu wenig Schweizer Fähnchen bestellt hatte, griff der an Ideen nicht verlegene Bäcker und Weltbürger Wahrenberger zu internationalem Ersatz - und fand Fähnchen aus Deutschland und den USA. So wehten zum 1. August neben der Schweizer Flagge auch noch zwei andere im Schaufenster an der Berlinger Seestrasse. Gekauft wurden sie trotzdem. In der Euregio Bodensee zeigt man sich auch am 1. August weltoffen.
 
,AT Rene Gagnaux ,D 22.07.2002 ,NI ** ,NO Gepostet von: Rene Gagnaux ,NO EMail: r.gagnaux@ch.inter.net
:Erfasser : TAMKAT
:Datum : 19.10.2004

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