Rezeptsammlung Exotisch - Rezept-Nr. 459

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Feürtaufe der Berner Platte

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Zutaten


   KOMPILIERT NACH
    Burgdorfer Tagsblatt (1.
    -- Ges
 

Zubereitung

Die erste Geschichte, aus dem Burgdorfer Tagsblatt:
 
Über den Ursprung der beliebten Berner Platte sind etliche Geschichten im Umlauf, eine davon sei hiernach wiedergegeben. Als 1712 die bernischen Hilfstruppen, vor allem Waadtländer, nach siegreich geschlagener Schlacht bei Villmergen heimwärts zogen, kehrte ein Trupp im Bären in St. Niklaus bei Koppigen ein. Ein Offizier, der kein Deutsch konnte, bedeutete dem Wirt, der kein Französisch verstand, mit wenigen Worten und lebhaften Gesten, daß die Mannen sich mit Speise und Trank zu stärken wünschten. Der Wirt, der sich das Begehren der müden Schar schon bei deren Eintreten hatte reimen können, verstand die Worte des Offiziers Bernois... sont... plat, ont faim! auf seine Weise, nämlich Berner... Platte..., fein!
 
Was konnte Berner Platte nun anderes sein, als was ein solider Berner Landgasthof stets anzubieten hat: im Winter Saürkraut oder dürre Bohnen, beladen mit Hamme, Rippli, Speck, Baürnwürsten, Siedfleisch, Zunge und Gnagi; im Sommer tischt man zu diesen Fleischund Wurstsorten duftende grüne Stangenbohnen auf. Wie Berge häuften sich all die guten Sachen auf den großen Platten, und die welschen Soldaten taten sich gütlich daran.
 
Nach dem Weggang der Soldaten konstatierte der Wirt mit Erstaunen, daß ihn ein Welscher hätte belehren müssen, wie man die einheimischen Köstlichkeiten benennen müsste. Als tags darauf einheimische Truppen im Bären Rast machten und Major Fankhauser vom Burgdorfer Bataillon mit seinen Offizieren im Herrenstübli Platz genommen hatte, offerierte ihnen der Wirt voller Stolz seine feine Berner Platte.
 
Niemand wußte, um was es sich handelte, bis aufgetragen wurde. Nach dem Mahl soll Major Fankhauser zu seinen äusserst zufriedenen Kameraden gesagt haben: Zwei wichtige Dinge haben wir in jüngster Zeit kennen- und schätzengelernt - in Villmergen die Berner Waffen und in St. Niklaus die Berner Platte!
 
Die zweite Geschichte, von Alice Künzi-Mosimann:
 
Auf der Suche nach der ersten Berner Platte stießen wir auf eine Geschichte, die sich vor rund 200 Jahren zugetragen haben soll. Es war am 5. März 1798, dem Tag, an dem die französischen Truppen die Berner bei Neünegg besiegten und über die Sense in wilde Flucht schlugen. Dreifach waren die Franzosen in Übermacht.
 
Der 5. März war aber auch der Tag, an dem Bern in die Hände der Franzosen fiel. Während die Berner tapfer in Neünegg kämpften, marschierten die Franzosen in die Stadt ein. Dreimal musste man die tapferen Kämpfer von Neünegg auffordern, endlich aufzuhören. Sie konnten es gar nicht fassen, daß der Krieg verloren sei. In tiefstem Herzen traurig, zagen sie heimwärts.
 
Ein Dragoner, der auf seinem Heimritt einen Schoppen trank, meldete, daß die Wohlener auf dem Weg nach Hause seien. Sofort beschloßen die Fraün des Dorfes, ihre Männer würdig zu empfangen und vor allem ihnen wieder einmal eine richtige Mahlzeit aufzutischen. Sicher hätten die abgekämpften Krieger so etwas bitter nötig. Gesagt, getan! Eine der Fraün brachte ein Hammli, eine andere ein Stück Speck, die dritte ein paar Würste, die Metzgersfrau ein Stück Siedfleisch. Es kamen noch Rippli, Zunge und Gnagi, eine ganze Sammlung von Köstlichkeiten aus der Beize und aus dem Rauch dazu. Jede brachte eine Schüssel Saürkraut, Saürrüben oder Dörrbohnen; es war ja März und kein Frischgemüse vorhanden.
 
Nun ging's ans Sieden und Kochen. Sämtliches verfügbare Kochgeschirr wurde gebraucht. Kartoffeln wurden gleich zwei Säcke voll gekocht. Als nun die braven Männer im Dorf eintrafen, wurden sie mit Jubel empfangen. Dabei floßen aber auch manche Tränen, blieben doch einige auf dem Schlachtfeld zurück. Nach dem Erzählen ging man zu Tisch. Damit jeder von seinem Fleisch etwas bekomme, wurde es fein säuberlich aufgeschnitten und auf das Gemüse gelegt. Allen schmeckte es herrlich. Von da an hieß dieses Gericht Berner Platte.
:Erfasser : TAMKAT
:Datum : 19.10.2004

Quelle

jfk

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